Alle Jahre wieder trifft einen Weihnachten immer so plötzlich! Ein immer wieder kehrendes Datum und doch ist es am Ende so schnell da. Die Supermärkte weisen uns schon mit Ihren Marzipan und Lebkuchenherzen bereits im August darauf hin. Dennoch sind wir im Sommer noch nicht auf den Winter eingestellt und wundern uns immer wieder über die Schokoladennikoläuse die uns in den Regalen zuzwinkern. Und ehe man sich dann doch versieht, steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Wir hetzen durch den Alltag und oft rennen wir der Zeit hinterher. Wir sind an Weihnachten nur mehr ausgebrannt. Noch schnell die letzten Geschenke organisieren, Plätzchen backen, Christbaum schmücken und dann beginnt sie, die gemütliche und besinnliche Zeit im Kreise der Lieben. Gerade hier hilft uns diese magische Zeit zwischen den Jahren um unsere Akkus wieder aufzuladen. Alles wird still. Manche Tiere ziehen sich in den Winterschlaf, der Nebel hängt lange im Tal, Geschäfte haben geschlossen, Maschinen stehen regungslos da und man zieht sich ins kuschelige Heim zurück.

Rauhnächte zelebrieren

Ich genieße diese magische Zeit des Jahres ganz besonders, nicht nur weil ich am 23. Dezember meinen Geburtstag feiere sondern auch, um die sogenannten Rauhnächte zu zelebrieren. Man nimmt an, dass die Rauhnächte ihren Ursprung im germanischen Mondkalender mit 354 Tagen haben. Diese entsprechen nicht unseren 12 Monaten mit 365 Tagen, somit fehlen im sogenannten Sonnenjahr 11 Tage oder eben 12 Nächte – die als „tote Zeit“ oder „tote Tage“ eingeschoben wurden. Die Rauhnächte wurden im 16. Jahrhundert erstmalig erwähnt.

Aus alten Erzählungen sagt man, dass in der Zeit vom 21. Dezember (Wintersonnenwende) bis zum 06. Januar (heilige drei Könige) die Geister über das Land fegen. Sie verbreiten Angst oder Schrecken und nahmen jeden mit dem sie begegneten. Die Percht, eine mächtige Unterweltgöttin zog übers Alpengebiet mit ihrem Gefolge aus Gnomen, Kobolden und Waldgeistern. Im Norden war es Wotan mit den Wölfen der in den Rauhnächten umherschweifte. Man glaubte, mit „Schall und Rauch“ sich gegen diese Dämonen schützen zu können. Somit hat man früher Haus und Hof, Mensch und Tier abgeräuchert oder viele Feste in dieser Zeit gefeiert.

Jeder Tag der 12 Rauhnächte steht für einen Monat im neuen Jahr. Hier wird der Tag ganz genau beobachtet um Prognosen für den jeweiligen Monat aufzustellen. Eine Überprüfung der Notizen aus den letzten Rauhnächten am Ende des Jahres kann sehr aufschlussreich sein. Auch den Träumen schenkt man in dieser Zeit besondere Bedeutung. Diese zwölf Tage sollen uns zur Ruhe bringen. Mal in sich gehen, was war gut oder weniger gut im vergangenen Jahr. Vielleicht auch mal nichts tun, nichts denken, einfach sein.

In diesem Zeitraum gibt es verschiedene Verhaltensregeln, die während dieser Zeit zu beachten sind und vorher erledigt sein sollten:

  • Offene Angelegenheiten klären
  • Geliehenes zurück bringen
  • Offene Rechnungen begleichen
  • Glücksspiele vermeiden
  • Haus und Hof vorher putzen
  • Vorher Wäsche waschen, während dieser Zeit sollte nichts draußen hängen, es könnten sich die bösen Geister darin verfangen und somit ins Haus gelangen
  • Nicht arbeiten!

Geschichte und Tradition

Früher lebte man sehr im Einklang mit der Natur. Gerade während der langen kalten Winter blieb den Menschen nichts weiter übrig, als zu ruhen und wieder neue Kraft zu tanken. Früher wurden sie in dieser Zeit viel mit Hunger, Krankheit oder auch dem Tod konfrontiert. Mit dem Erwachen im Frühling, wartete auch wieder jede Menge Arbeit.

Die damaligen Menschen waren sehr gläubig und sind häufiger in die Kirche gegangen. So hat man zum Beispiel, an Maria Himmelfahrt den Kräuterbuschen gebunden und diesen von der Kirche segnen lassen. Dann wurde der „Wisch“, wie er hierzulande noch heißt, zum Trocknen aufgehängt. Die gesegneten Kräuter wurden in den Rauhnächten zum verräuchern hergenommen. So wurde beispielsweise Johanniskraut im Stall verräuchert um das Vieh gesund zu halten oder die Königskerze sollte Haus und Hof vor einem Gewitter bewahren. Einige wenige kennen diese Bräuche noch. Im Süden Deutschlands, in der Schweiz und auch in Teilen von Österreich gibt es diese Traditionen heute noch.

Auch die sogenannten Perchtenläufe haben gerade bei Salzburg eine lange Tradition. Gruselige Gestalten ziehen durch die Gassen und möchten mit den vielen Glocken die sie bei sich tragen, den Winter austreiben. Ursprünglich kamen die Läufe in den Rauhnächten vor, mittlerweile finden sie aber den ganzen Dezember über statt. Man sagt, bei jedem Perchtenlauf verbirgt sich eine echte Percht in der Menge.

Im Großen und Ganzen geht es in dieser Zeit darum, sich zu besinnen, eine Auszeit zu genießen vom Alltag. Wünsche, Vorsätze notieren, abschalten und mal einen Tee trinken, räuchern, ein gutes Buch lesen, Musik hören, gute Gespräche führen, einen Spaziergang durch die verschneite Winterlandschaft machen, sofern diese da ist. Egal, welches Ritual man in dieser mystischen Zeit durchführt, wichtig dabei ist, achtsam im Hier und Jetzt zu sein. Dann kann das alte gehen und das neue beginnen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Denken Sie dran, in dieser Zeit können Wunder geschehen!