Eigentlich bin ich zu den Kräutern gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Als es noch Flohmärkte in Brodenbach gab, fand ich dieses alte zerfledderte Buch mit verschiedenen Rezepten und Kräutern darin. Nicht wirklich wissend damit irgendetwas anzufangen, kaufte ich es. Fasziniert über dieses alte Wissen, die damit verbundenen Traditionen wollte ich einfach noch mehr über dieses ganze Thema erfahren.

Vieles habe ich mir im Eigenstudium und mit verschiedenen Büchern beigebracht. Später folgte noch der Kräuterexperte an der IHK Koblenz.

Bis zu 99 verschiedene Kräuter

Diese Ursprünglichkeit, die Tradition und auch die Wirkung der verschiedenen Pflanzen in den sogenannten Rauhnächten haben mich ebenso fasziniert. Dabei geht der Brauch des Kräuterbuschen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Am 15. August werden die Kräuter zum Strauß gebunden und in die katholische Kirche zum segnen gebracht. Die Zahl der Kräuter variiert je nach Region von 7 verschiedenen Kräutern bis maximal 99 verschiedenen Kräutern.

Hier an der Mosel heißt der Kräuterbuschen übrigens schlichtweg „Wisch“. Ich denke, nur noch wenige Menschen kennen diesen Brauch hierzulande, oft wird es noch in Baden-Württemberg, Bayern, Österreich und der Schweiz ausgeübt. Der sogenannte Wisch darf nicht willkürlich zusammengesetzt werden, sondern immer mit magischen Heilpflanzen.

Hier stelle ich der Einfachheit „nur“ sieben verschiedene Pflanzen zum Räuchern vor

In der Mitte des Kräuterbuschen findet man oft die

  • Königskerze, sie wird auch als Wetterkerze oder das Zepter Mariens bezeichnet. Bei einem aufziehenden Gewitter wird die Königskerze verräuchert, so sollen Haus, Hof und Stall vor Blitzschlag geschützt werden.
  • Beifuß, die älteste Heilpflanze Europas. Eine der Schutzpflanzen, kann ebenso bei Gewitter mit den Energien umgehen oder die Luft „klären“ nach Streitigkeiten
  • Schafgarbe sorgt für ein inneres Gleichgewicht
  • Johanniskraut, schützt das Vieh im Stall und hilft bei Traurigkeit
  • Lavendel, ein Allheilmittel, er wirkt entspannend, klärend und beruhigend
  • Rose, sie schenkt Liebe, Geborgenheit und Harmonie
  • Salbei, der zählt ebenso zu den wichtigsten Räucherpflanzen, er hilft bei Reinigungen und Heilungen, aber auch um Haus und Hof zu klären.

Es gibt viele Anlässe zum Räuchern

Nachdem der Strauß fertig gebunden und gesegnet wurde, wird dieser im Haus zum Trocknen aufgehängt. Hierzu eignet sich der Herrgottswinkel, der Dachboden oder im Stall, Eingang… Dort darf er nun hängen bis zu den magischen Rauhnächten. Es gibt auch andere Gelegenheiten um zu räuchern. Dazu gehört die Walpurgisnacht, die Sommersonnenwende oder auch Erntedank. All diese Tage werden genutzt um zu räuchern, oft auch einfach wenn das Gefühl sagt, jetzt braucht man „klare Luft“ – besonders auch nach Streitigkeiten.

Früher wurden die Krankenzimmer ausgeräuchert um eine mögliche Ansteckung zu verhindern. Auch bei Geburten oder im Sterbezimmer wurde geräuchert. Natürlich ist es jedem selbst überlassen, ein Räucherritual durchzuführen oder einen Kräuterbuschen zu binden.

Einfach mal den Alltag verlassen

Dennoch empfinde ich, das in dieser heutigen teils schnelllebigen Zeit sich viele wieder auf das Ursprüngliche besinnen, sich wieder mehr mit der Natur verbinden möchten. Es gibt sogar welche, die sich wieder mehr von den Jahreszeiten lenken lassen.

Aber mal ehrlich, müssen wir denn permanent erreichbar sein oder brauchen wir Erdbeeren das ganze Jahr über?

Vorfreude ist doch die schönste Freude! Weihnachten feiern wir ja auch nur einmal im Jahr und das obwohl es eine schöne Zeit im Kreise der Familie ist.

Jeden Tag Geschenke, wer will das schon? Abgesehen von mir! =)

Also, hin und wieder eine Auszeit nehmen, Handy ausschalten, Musik hören, meditieren oder räuchern, durch den Wald gehen, sich erden. Egal welches kleine Ritual man in seinen Arbeitsalltag integriert, wichtig ist dabei, achtsam im Hier und Jetzt und bei sich selbst zu bleiben.

Diese kleinen Auszeiten gönne ich mir beim täglichen Kräuter sammeln in der Natur. Manchmal vergesse ich sogar die Zeit darüber.

Welche kleinen Rituale im Alltag habt ihr? Habt ihr auch schon geräuchert? Oder einen „Wisch“ zusammengestellt?

Gerne lese ich Eure Kommentare!

Viel Freude beim Eintauchen in die faszinierende Welt der Natur und Rituale!