Manchmal gibt es Tage, da muss man einfach mal in die Bekleidungs-Trickkiste greifen! 

Zum Geschäftstermin oder auch als Repräsentantin eines Unternehmens kleidet man sich ordentlich – zumindest habe ich das so gelernt. In diesen Tagen aber greifen wir doch häufiger zum gemütlichen Bekleidungsstück, der Jogginghose. Wahrlich keine gute Zeit für Karl Lagerfeld – als hätte er es geahnt und hat tatsächlich sich vor Corona und dem Jogginganzug aus der Welt gemacht. 

Es ist Zeit für ein Kleid

Am vergangenen Donnerstag hatten wir doch einen Geschäftstermin und so stand ich vor meinem Kleiderschrank und dachte: „Es ist Zeit für ein Kleid!“. 

Also, zog ich mich an und freute mich schon auf den Termin, denn jeder Termin ist gerade eine kleine willkommene Abwechslung im Lockdown-Alltag. Vor allem, wenn man sich aufbrezelt, als würde man ins Theater, zum Konzert oder zum Essen ausgehen! 

Christian fragte kurz vor dem Termin, ob ich mit unserem Hund noch eine kleine Runde drehen könnte. Ich schaute an mir herunter und dachte an den matschigen Wald. Nicht gerade das Wald-Outfit! =) Vor der Haustüre standen meine Matsch-Winterstiefel. Ok, ist jetzt ein wenig gegensätzlich, aber es wird schon gehen! Also, reingeschlüpft und los geht’s. 

 

Stochern im Bach

Da es in den vergangenen Tagen sehr stürmisch zuging, hatte der kleine Mühlengraben hinter dem Haus sehr viele Staudämme aus Blättern, Ästen und Stöcken. Er staute sich an mehreren Stellen. 

Als Müllerskind liegt mir der kleine Bachlauf nicht nur am Herzen, es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen das dieser fließen muss! Wann immer ich in der Vergangenheit mit meiner Oma oder Mutter den Pfad entlang lief, ein jeder suchte sich einen großen Stock und befreite die Staudämme, die sich bildeten. Es wurde gestochert, und gestochert. Meine Mutter oder auch meine Oma waren erst dann zufrieden, wenn sich der Staudamm löste. Sie schauten den paar Blättern nach, denn es war nicht möglich, alles mit einem Stock zu entfernen.

Früher war der kleine Bachlauf Lebenselixier für alle Müller. Die Jahreszeiten und das Wetter bestimmten die Arbeit oder die Ruhezeiten der Müllersfamilie. Ein kleiner Staudamm verhieß keine Arbeit. Daher musste er regelmäßig kontrolliert werden. 

Da stand ich nun, im Hang mit meiner schicken Kleidung und den dreckigen Stiefeln drunter und stocherte mit einem großen Stock im kleinen Bach herum. Auch ich bin erst zufrieden, wenn das Gröbste entfernt ist und der Graben wieder im Fluss ist. Es ist mir dabei egal, ob ich eine Hose oder ein Kleid trage. In dem Moment, als da stocherte, musste ich so herzhaft über mich selbst lachen, wie paradox das doch ist. Der kleine Mühlengraben ist heute ja auch nicht mehr lebensnotwendig, denn wir mahlen kein Mehl mehr. Dennoch ist es in meinen Genen verankert – der Mühlengraben ist wichtig. 

Mein Hund schaute etwas verwundert und meine Hände waren voller Matsch. Doch ich war glücklich, in kurzer Zeit hatte ich drei Staudämme weniger, hatte etwas geschafft und war der Natur nah. 

Sei wie der Bachlauf

Im übertragenen Sinne kam mir dann folgendes in den Sinn. Sei wie der Bachlauf, nicht aufgeben, auch wenn Dir Blätter und Äste die Fließgeschwindigkeit nehmen, nimm etwas Geschwindigkeit raus – kommt ja automatisch, betrachte die Dinge und suche Dir einen alternativen Weg. Vorwärts geht immer und Mühlräder die stillstehen verheißen nichts Gutes! 

Zuhause wieder angekommen, habe ich die Matschstiefel gegen saubere Schuhe getauscht, die Hände gewaschen und schon war ich „ordentlich“ für meinen Termin. Glücklich im Herzen, etwas kleines und doch Gutes getan zu haben war ich bereit für die neuen Dinge, die wir im Termin besprechen. 

In diesem Sinne, wünsche ich Euch, ein offenes Herz, die Freude an den kleinen Dingen im Leben und trotz aller Umstände ein wundervolles Osterfest. 

Und wer weiß, vielleicht denkt Ihr das nächste Mal an meine kleine Anekdote, wenn Ihr einen Staudamm seht, der da nicht hingehört. Möglicherweise wollt ihr auch im Bach rumstochern und habt genauso – wie ich – ein wunderbares Gefühl, wenn der kleine Damm bricht und alles weiterfließt. 

Bleibt im Fluss! =)