Die 24 traditionellsten Traditionen rund um Weihnachten!

Es ist Mitte September und schon lachen uns die Schoko-Nikoläuse aus den Einkaufsregalen entgegen. Gleich daneben gesellen sich Lebkuchen, Spekulatius und Christstollen. 

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Nein, ist es noch nicht. Doch dieser Christstollen hat in mir die Frage geweckt, wieso essen wir den eigentlich nur an Weihnachten? Woher stammen all diese Traditionen, warum essen wir Lebkuchen oder Plätzchen und nicht Wackelpudding, Eiswaffeln oder Tiramisu? Wieso stellen wir einen Weihnachtsbaum auf? Liest denn überhaupt jemand die Wunschzettel und wer hat das mit den Geschenken eigentlich erfunden? Hier habe ich mal die für mich wichtigsten 24 Traditionen unseres Landes zusammengefasst. 

  1. Advent:
    Neben der Fastenzeit vor Ostern gab es noch eine weitere Fastenzeit im Jahr. Diese geht auf das 7 Jhd. zurück und war ursprünglich 6 Wochen vor Weihnachten. Seit 1917 ist das Adventsfasten nicht mehr festgelegt, puh, gott-sei-dank! Advent stammt übrigens aus dem Lateinischen = Adventus und bedeutet Ankunft.

  2. Adventskalender:
    Der Adventskalender soll die Wartezeit für die Kinder verkürzen, alles andere hätte ja wegen der Fastenzeit auch keinen Sinn gemacht. Der Adventskalender stammt vermutlich aus dem Jahr 1851. Damals starteten die Familien mit verschiedenen Bildern, die nach und nach an die Wand gehängt wurden. Das mit den Süßigkeiten kam erst später.
  3. Adventskranz:
    Der Theologe Johann Heinrich Wichern kam 1839 in einem Weisenheim auf die Idee, die Wartezeit bis zum heiligen Abend mit einem Adventskranz zu verkürzen. Jeden Abend durfte ein Kind eine Kerze anzünden. Es gab 20 kleine rote Kerzen und 4 dicke weiße für die Sonntage.

  4. Baumschmuck:
    Wir lieben es den Baum zu schmücken, deshalb machen wir das auch immer schon einige Tage vor Weihnachten, außerdem steht am 23.12. ja auch noch ein Geburtstag an, also keine Zeit für Weihnachtsbäume. Im 16. Jhd. standen die Weihnachtsbäume noch an öffentlichen Plätzen und wurden mit Nüssen, Strohsternen, Äpfeln oder Papierblumen geschmückt. Der Baumschmuck aus Glas kam erst im späten 19. Jhd. hinzu. Was mir bis jetzt nicht bewusst war ist, das jedes Figürchen, Anhängerchen und Engelchen für etwas steht. Äpfel und Tannenzapfen symbolisieren Fruchtbarkeit, Nüsse stehen für den Herbst und die Natur, Sterne bedeuten Hoffnung, Engel verkünden die Geburt des Heilands. Glocken sollen vor Unglück bewahren und natürlich auch die Heilige Nacht einläuten. 
  5. Bäumchen gucken:
    Ein wundervoller Brauch um auch mal bei Freunden und Bekannten während der Festtage vorbei zu schauen. Wir Moselaner gehen gerne Bäumchen gucken. Da wird der Baum und der Baumschmuck begutachtet, dann wird der Baum ausgemessen, ob er gerade oder schief ist, dann gelobt, jaaaa richtig, es wird gelobt! und dann bekommt jeder ein Schnäpschen oder zwei oder drei. 
  6. Christkind:
    Woher kommt eigentlich dieses ewig junge, engelsgleiche Christkind? Es ist ein mystisches und geheimnisvolles Geschöpf das schon gefühlt ewig unterwegs ist. Ursprünglich unterstützte das Christkind den Nikolaus im 16 Jhd. und verteilte die Geschenke. Im Lauf der Zeit verlagerte sich der Brauch.
  7. Christmette:
    Neben der Osternacht ist die Christmette eine der großen Feiern im Kirchenjahr. Es ist nach wie vor Tradition mit der Familie am Vormittag oder am Abend in die Kirche zu gehen.

  8. Christstollen:
    Manche lieben ihn, manche hassen ihn! Er ist schon über 700 Jahre alt und galt früher als Fastenspeise in den Klöstern der Adventszeit. Die typische Form soll an das gewickelte Christkind erinnern.
  9. Deko:
    Seit dem 11. Jhd. stellen die Familien in Ihren Häusern Krippen auf. Zum Weihnachtsbaum kam dann der Adventskranz, anschließend die Weihnachtspyramiden und dann immer mehr Glitzer samt Gefunkel. In den letzten Jahren nimmt die Deko vor dem Haus immer mehr zu und viele orientieren sich an den sogenannten Weihnachtshäusern aus Amerika. Im Jahr 2019 waren es 600 Mio KWstunden Energie nur für die Weihnachtsbeleuchtung während der Weihnachtswochen. Da sollte einem aufjedenfall ein Licht aufgehen!
  10. Geschenke:
    Wer hat denn den ganzen Geschenke-Stress erfunden? Aber das ist es ja, was wir daraus machen, wir versuchen natürlich immer bessere, schönere und wahrscheinlich auch teurere Geschenke zu schenken. Mittlerweile steht die Geschichte nicht mehr so im Fokus sondern vielmehr eine ganze Industrie. Die Geschenke symbolisieren einen Dank für die Geburt Christi. Einst brachte nur der Nikolaus am 06. Dezember kleine Gaben. Es ist egal, ob das Geschenk groß oder klein ist, dick oder dünn, teuer oder nicht, solange es von Herzen kommt, ist es immer etwas Besonderes. Weihnachten mit Kindern hat immer noch einen ganz anderen Stellenwert. Der Glaube ans Christkind und es hat irgendwie diese Geschenke unter den Baum gebracht in Sekundenschnelle – zaubert jedem Kind ein Lächeln in die Augen. Diese besondere Atmosphäre hat schon was ganz himmlisches.
  11. Geschichte:
    Die geläufigste Geschichte ist die Erzählung über die Geburt Jesu Christi aus dem Neuen Testament. Meist wird sie am Weihnachtsabend vorgelesen oder in Gottesdiensten nachgespielt.
  12. Krippe:
    Ist die Darstellung der Geburt Christi aus der Weihnachtsgeschichte. Der heilige Franz von Assisi soll 1223 in Greccio die Weihnachtsgeschichte mit Menschen und lebenden Tieren dargestellt haben. 
  13. Lametta:
    Früher war mehr Lametta – ein Spruch aus dem Loriot Sketch von 1976. Das italienische Wort bedeutet Metallblatt und soll an glitzernde Eiszapfen erinnern.
  14. Lebkuchen:
    Ich liebe ihn. Eigentlich könnte ich den auch das ganze Jahr essen und nicht nur an Weihnachten. So war es auch früher, er wurde nämlich auch an Ostern gereicht. Die Ägypter verspeisten honigsüße Kuchen um 350 vor Christus und die Römer aßen „Panis Mellitus“, ein Kuchen mit Honig bestrichen. Der Nürnberger Lebkuchen ist schon seit dem 14. Jhd. bekannt. 
  15. Mistelzweig:
    Eine sagenumwobene Zauberpflanze um die sich viele Mythen und Legenden rangen. In England gilt sie seit jeher als Weihnachtsbrauch diese an die Tür zu hängen, wenn sich zwei Menschen darunter küssen, werden sie ein glückliches Paar. Ich finde sie sehr schön, besonders mit einem roten Band, hat man einen günstigen Weihnachtsschmuck. Aber Achtung, die Pflanze ist giftig.
  16. Nikolaus:
    Der Nikolaus lebte als Bischof vor 1700 Jahren in Myra, der heutigen Türkei. Er hatte ein großes Herz für Kinder und arme Menschen. 
  17. O Tannenbaum:
    Dieses Lied von Ernst Anschütz stammt aus dem 16. Jhd. Es gibt mehrere Abwandlungen von dem Lied. Diese eine gab es bei uns zu Weihnachten: „O Tannenbaum, O Tannenbaum, die Oma hängt am Gartenzaun…“ nachdem die Kusinen fertig gesungen hatten, fragte unsere kleine Mia mit ihren 4 Jahren, „Welche Oma hängt am Gartenzaun, Oma Gisela oder Oma Uschi?“ Wir haben so gelacht!
  18. Plätzchen backen:
    Darüber gibt es wohl mehrere Geschichten, doch diese hier, hat mir besonders gut gefallen: Im Mittelalter war der Zucker sehr teuer und auch die Gewürze waren nicht günstig. In wohlhabenden Klöstern haben die Mönche jedes Jahr an Weihnachten an die Geburt Jesu gedacht. Aus diesem Anlass haben sie Plätzchen gebacken. Die Mönche verteilten sie anschließend an die Armen und machten ihnen somit eine Freude. 
  19. Würstchen mit Kartoffelsalat:
    Ob Süd-, Nord-, Ost- oder Westdeutschland – wir alle lieben Kartoffelsalat, und doch schmeckt er nirgends gleich. Jede Familie hat fast schon ein eigenes Rezept. Zum einen soll das „ärmlichere“ Essen an die Armut von Josef und Maria erinnern und auch an die Fastenzeit vom 11. November bis zum 01. Weihnachtsfeiertag. 
  20. Weihnachtsmann:
    Nicht überall kommt das Christkind, in einigen Ländern kommt auch der Weihnachtsmann. In den Niederlanden bringt „Sinterklaas“ den Kindern die Geschenke. Der schwappte rüber in die USA und wurde dort zum Santa Claas. Von dort kam er als Weihnachtsmann zurück. 1931 wurde er rot und brachte neben den Geschenken auch noch Cola mit. 
  21. Wunschzettel:
    Keine Idee der Kinder oder Eltern! Sondern einzig und allein die Spielwarenindustrie kamen darauf, daß die Kinder ihre Wünsche aus dem mitgelieferten Katalog aussuchen dürfen und ans Christkind schicken können. Um 1800 haben die Kinder Weihnachtspost an den Nikolaus oder das Christkind verschickt und baten um Gottes Segen, nicht um eine Modell-Eisenbahn oder ein Plüsch-Einhorn.

  22. Weihnachtsmarkt:
    Der älteste Weihnachtsmarkt ist der Striezelmarkt in Dresden aus dem Jahr 1434. Handwerker und Bäcker erhielten eine Sondererlaubnis ihre Waren auf dem Marktplatz vor Weihnachten zu verkaufen. 
  23. Weihnachtsgans:
    Zu Beginn der Fastenzeit am 11. November und am Ende der Fastenzeit kommt eine Gans auf den Tisch als Festbraten. Es ist ein katholischer Brauch.
  24. Weihnachtsbaum:
    Die Hunde im Haushalt freuen sich, endlich ist wieder die Zeit im Jahr wo man kein Gassi gehen muss und der Baum ins Haus kommt! Doch der Brauch geht sehr weit zurück und ist eine heidnische Tradition. Tannenzweige symbolisieren durch ihr dauerhaftes Grün – ein ewig erneuerndes Leben. Seit dem 17. Jhd. wird der Baum wie heute aufgestellt und geschmückt. 

Traditionen sind etwas Ehrliches, etwas Beständiges, sie zeigen aus welcher Kultur wir stammen und woran wir glauben. Gustav Mahler schrieb einst: „Tradition ist die Bewahrung des Feuers, nicht Anbetung der Asche“. Der Satz beschreibt es eigentlich ganz gut. Die Weitergabe von Ritualen, Geschichten und Bräuche. Was wäre denn nun Weihnachten ohne einen Weihnachtsbaum oder ohne Plätzchen, ohne Weihnachtslieder und Glühwein? Oder für die Kinder ohne Nikolaus, Adventskalender, Geschenke oder Wunschzettel schreiben? Es wäre nicht die gleiche magische Zeit im Jahr wie es mit all diesen Traditionen eben nun mal ist. In diesem Sinne, Euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit und wundervolle, traditionelle Weihnachten!