Ein Blog zum Nachdenken!

Bei einer kürzlich stattfindenden Trauerfeier auf dem Friedhof war mir erstmal mulmig zumute. Die gedrückte Stimmung, die besorgten Gesichter, die Trauernden. Abschied nehmen von einem geliebten Menschen ist ein schwerer Gang. Mein Blick durch die anwesenden Trauernden schnürt mir die Kehle zu, es ist eine sehr bedrückende Stimmung. Jeder hat seinen Kopf gesenkt, die Hände gefaltet und ist in Gedanken ganz bei sich. Vielleicht ist auch jemand in Erinnerung mit dem Verstorbenen, aber an die Einkaufsliste und was noch alles zu erledigen ist, denkt hoffentlich niemand.

Die Trauerrednerin erzählt Geschichten aus dem Familienalltag des Verstorbenen, hinzu kommen Lieder, die an gemeinsame Zeiten erinnern sollen. Beim gemeinsamen Gebet „Vater unser“ brabbelt jeder leise vor sich hin, ich sehe zu, wie ein älterer Mann beim Gebet seinen Hut zückt, eine Geste des Respekts und der Wertschätzung.

Als Tina Turners Welthit „Simply the best“ ertönte,

… sah ich den ein oder anderen doch dazu im Takt wippen. Ein kurzer Moment von, ich möchte fast sagen, guter Stimmung – aber geht das eigentlich? Ich habe mir tatsächlich die Frage gestellt, als mein Blick ein weiteres Mal durch die Runde glitt, was in den einzelnen Köpfen für Gedanken herumschwirren? Ich stellte mir tatsächlich nur die wenigen Fragen: „Wer würde abgesehen von meiner Familie zu meiner Beerdigung kommen“? „Wie sollte diese aussehen?“ Klar, kann man nun denken, die ist doch noch so jung, warum macht man sich darüber Gedanken? Manchmal ist das Leben ein Arschl… und das Schicksal schlägt genau dahin, wo man es am wenigsten erwartet. Also ja, man kann vielleicht doch ein oder zwei Gedanken an die eigene Beerdigung verschwenden. Und wenn nicht in einem Moment wie diesem, – einer Trauerfeier, dann sicherlich nicht beim Abendessen mit der Familie!

Am Ende gehen wir alle.

Ich weiß das klingt jetzt hart und nicht jeder möchte darüber nachdenken, dennoch ist es das Einzige was uns alle miteinander verbindet. Unser Leben ist keine unendliche Geschichte. Doch auch diese Frage habe ich mir gestellt. Wie bleibt der Verstorbene nun in Erinnerung – abgesehen von seiner Familie natürlich. Können wir vielleicht doch „unendlich weiterleben“ indem wir etwas hinterlassen? Ein Buch, ein Musiktitel, einen Ring oder ein Gebäude – ein Erbe eben. Es gibt Menschen, die „Großes“ geleistet haben, egal ob positiv oder negativ, die uns immer in Erinnerung bleiben mit ihren Taten, ihrer Musik oder ihren berührenden Texten und Worten, wie zum Beispiel, Michael Jackson, Nelson Mandela oder Vincent van Gogh… die Liste ist lang. Aber ihr wisst was ich meine! =)

Wird man unsterblich indem man im Leben berühmt war? Oder ob man sich die Frage stellt, hätte ich bloß etwas mehr aus meinem Leben gemacht, als ich es noch konnte – oder „müssen“ wir es so hinnehmen und „Gott“ oder wer auch immer, sagt: „So, liebe Sonja, jetzt hättest Du ein schönes Leben haben können, hast Dich aber für diesen Weg entschieden, jetzt bist du im Himmel (hoffe ich jetzt einfach mal…), Pech gehabt, so vieles bleibt für Dich nun ungenutzt.“ Oder „lebt“ man doch instinktiv das richtige Leben in all seinen Farben?

Aber es stimmt schon, wir alle wollen „höher, schneller, weiter“ und manchmal auch „besser“ als der Nachbar sein. Wir rennen von einem Termin zum nächsten, hetzen zur Schule/Kita die Kinder einsammeln, ab zum Fußballplatz oder zum Ballett und später noch die Vereinssitzungen. Warum sind wir so in Eile? Und wenn wir schon in Eile sind, warum dann auch noch gestresst dabei?

Ich sag mal „Gott“ steht sicher später nicht am Himmelstor und sagt: „Super gemacht Sonja, 5 Burnouts, 3 Herzinfarkte und immer alles unter einen Hut bekommen, Du bekommst für Dein fleißiges Leben eine Luxusvilla mit Pool und Ferrari im Himmel!“ Ähm… so wird es wohl kaum sein!

Es klingt ein wenig so wie in der Erziehung von 19… – wenn Du immer schön artig Deinen Teller aufisst, scheint die Sonne. Wie viele Kinder sich wohl immer schuldig gefühlt haben müssen, wenn es geregnet hat… mich eingenommen!

Wir alle hetzen durch das Leben als wäre es endlos.

Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, alles verschieben wir auf morgen, nächsten Monat oder in 2 Jahren. Ein Wein mit der besten Freundin, „sorry Sonja, diese Woche ist bei uns schon wieder so viel los… Termine, Termine, Termine“, wird von März auf November verschoben. Telefonieren mit dem Freund in Berlin, „dann bin ich beim Sport“, „… dann müssen die Kinder ins Bett, dann…“ „Sollen wir Freitag wieder joggen gehen?“ „Nein, ich muss…“ Wir alle müssen, wir alle sollen… doch wir vergessen das wichtigste! Zu leben, denn jetzt ist jetzt, morgen stehen vielleicht schon alle bei meiner Beerdigung und denken ‚Wir wollten noch so vieles gemeinsam erleben…, hätten wir doch nur…’. Wie sagt Mia immer so schön: „Hätte, hätte Fahrradkette…“

Wir sollten feiern, das Leben in all seinen Facetten lieben. Voll und ganz im Hier und Jetzt sein und Lebensfreude genießen und spüren, einfach sein. Vielleicht auch mal wieder verrückt sein, sich wie ein Kind fühlen, frei sein von müssen oder sollen. Einfach mal machen und dürfen! Könnte ja was werden! Den Zahnarzt – Termin mal verschieben, die Fußballtasche einfach mal stehen lassen, spontan die Freundin besuchen und Zeit mit Herzensmenschen verbringen statt Dingen, Terminen oder Menschen nachzueifern. Es braucht auch nicht größer, besser oder teurer sein, Freundschaften pflegen und die gemeinsame Zeit wertschätzen und dabei Spaß haben. Darum geht es doch. Warum immer warten auf Morgen, Übermorgen, nächstes Jahr, wenn ich mal in Rente bin, dann mache ich das und das… Wir leben jetzt, im Hier und Heute. Warum verschieben wir immer alles? Warten auf den richtigen Zeitpunkt? Wenn einer mich fragt, einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht, alles kommt so wie es kommen soll. Man kann nicht immer alles planen und für alle Eventualitäten gewappnet sein. Mir macht das keinen Spaß. Ich kann auch sehr schlecht planen. Gut, für manche Menschen bin ich zu spontan, aber das ist es was ich liebe, was mich auch ausmacht. Ich will nicht immer einen Plan für alles haben (müssen), Achterbahn fahren macht doch auch mal Spaß. Manchmal stellt sich halt heraus, das ein Plan nicht funktioniert, gut, dann räumt man die Steine und Scherben auf, baut sich was Schönes daraus und macht mit einer anderen Idee weiter.

Oft bekomme ich auch zu hören, das was Du machst könnte ich nicht. Selbstständig sein. Meine Antwort lautet dann immer: „Ach, das was Du machst, könnte ich auch nicht!“ Dann werde ich mit großen, unmissverständlichen Augen angesehen. Aber es ist doch so, nur weil ich mir nicht vorstellen kann, ein routiniertes Leben von 9 – 17 Uhr zu leben, heißt es nicht, dass andere sich ein Leben in der Hotellerie vorstellen können. Jedem das seine.

Dennoch sollten wir weniger Zeit vergeuden mit unnötigen Dingen, Ängsten, Sorgen oder gar Streitigkeiten. Irgendwann müssen wir alle mal gehen – es ist doch das einzige was uns alle miteinander verbindet – der Tod. Mitnehmen können wir wohl auch nichts, außer Erinnerungen, Gefühle, Liebe und Glück, das sind die oft übersehbaren kleinen Dinge im Alltag, die so selten Beachtung finden. Dennoch sind es die Gefühle, die uns am Ende auch das Empfinden geben, es ist Zeit loszulassen, Zeit zu gehen.

Also, wenn ich irgendwann gehen muss,

… dann aber mit einem G R O ß E N  JA im Gesicht, ein JA, das sagt, so will ich nochmal, ich habe für mich alles richtig gemacht, nichts bereut, die „Bucket List“ abgehakt. Zudem wurde ich geliebt, gefeiert, gemocht, geschätzt, vielleicht auch bewundert und habe das Leben bejaht! (Nicht immer, gut, wäre ja auch übertrieben, wenn es immer überall rund läuft…, aber überwiegend positiv!) JA, mein Leben war schön,

JA, ich würde es wieder so machen und
JA, ich habe es genoßen mit all seinen Höhen und Tiefen, denn auch die tiefen dunklen Täler sind immer für etwas gut, nach Regen kommt Sonnenschein und so…! =)
JA, jetzt ist Zeit loszulassen und zu gehen und
JA, ich will das ihr tanzt an meiner Beerdigung und feiert…

Ich will, dass ihr feiert,
Ich will, dass ihr tanzt
Mit ’nem lächelnden Blick

Und ’nem Drink in der Hand
‚Nen Heißluftballon, auf dem riesen groß steht
Das Leben ist schön,
Auch wenn es vergeht

Und wenn ihr schon weint
Dann bitte vor Glück

Dann bin ich da oben
Und ich sing‘ mit euch mit
Yeah
Und ich sing‘ mit euch mit
Hmm
Quelle: Sarah Connor, „Das Leben ist schön!“

Zum Abschluss gebe ich Euch noch eine Lebensweisheit an die Hand,

…die mir ziemlich gut gefällt und meiner Meinung nach wunderbar zum obigen Text passt.  =)

„Nicht jeder Mensch hat
am meisten gelebt, welcher
die höchsten Jahre zählt,
sondern derjenige, welcher
sein Leben am meisten empfunden hat.“
(Jean-Jacques Rousseau)

Möglicherweise habe ich hiermit zum Nachdenken angeregt, vielleicht auch zum handeln, höchstwahrscheinlich ebenso zum schmunzeln, wie auch immer, es war diese eine Trauerfeier, die mich zu diesem Text bewegt hat. Es hatte wohl einen Grund, warum ich bei vorherigen Beerdigungen nicht diesen Impuls und das Verlangen gespürt habe, eben über dieses Thema zu schreiben.

In diesem Sinne, wünsche ich ein wundervolles Leben mit tollen Erlebnissen, fantastischen Ereignissen und hoffentlich immer ein gutes Essen und ein Gläschen Moselwein parat. =)