Mit Sicherheit haben einige „das Jenke Experiment“ auf RTL gesehen. In der Folge vom September ging es um unseren Plastikwahnsinn und welche Spuren er hinterlässt – nicht nur auf der Erde, sondern auch im Körper. Ich habe die Folge nicht ganz gesehen, aber die Momente die ich hereingezappt habe, haben mich zum Nachdenken angeregt. So wie viele andere aus meinem Umfeld. Seitdem versuchen meine Freunde und Bekannte weitestgehend Plastikmüll zu vermeiden. 

Ein Umdenken findet statt

Doch wie ist es zu so einem Ausmaß an Plastikmüll gekommen? Seit den 1950er Jahren wird Plastik in größeren Mengen produziert, über die Auswirkungen hat sich wahrscheinlich kaum jemand Gedanken gemacht. Allein Coca-Cola verbraucht drei Millionen Tonnen jährlich für Ihr beliebtes Getränk. Im Prinzip ist das wie doch egal, entscheidend ist, was tun wir um das Plastikproblem einzudämmen? 

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Es beginnt allmorgendlich mit der Plastik-Zahnbürste, auf diese schmieren wir Zahnpasta, womöglich mit Microplastik. Anschließend nehmen wir eine Dusche mit unserem Lieblingsduft aus der Plastikflasche. Auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ein Coffee–to-Go (zukünftig dann ein Coffee-NOGo) im Plastikbecher, mittags eine Currywurst im Plastikschälchen, eingewickelt in Alu und in der Plastiktüte können wir sie mit ins Büro nehmen. So geht es endlos weiter… und der Kreislauf beginnt. 

Über die Körperpflege gelangt das Schmutzwasser ins Abwasser. Die Kläranlagen schaffen nicht die kleinen Mikropartikel von weniger als 5mm herauszufiltern. Diese gelangen ins Oberflächenwasser und verschmutzen unsere Flüsse und Meere. Meeresbewohner wie die Fische halten die Plastikteilchen für Fressen und wir genießen die zubereiteten Fische mit fadem Beigeschmack. Die Auswirkungen von Plastik auf den Menschen sind noch weitestgehend unerforscht. 

Fakt aber ist, ein jeder Deutsche produziert etwa 37 kg Plastikmüll pro Jahr. So weit so (nicht) gut, doch was können wir verändern?

Mit dieser Frage stand ich dann morgens in meinem Bad und musste schockierend feststellen, überall befand sich Plastik in Form von Tuben, Dosen, Zahnbürsten, Haarbürsten bis hin zu den Windeln. Wer ein Kleinkind oder Baby zu Hause hat, weiß wie viele Windeln so ein kleiner Mensch täglich benötigt. Hinzu kommt noch die Kleidung… made in und made with Polyester ist eine Kunstfaser, die bei jedem Waschgang kleine Kunststoffpartikel verliert. 

Wo sollte ich bloß anfangen?

Ich bin jetzt nicht der Typ „Radikalo“, sofort muss alles verändert werden, Plastik ist EVIL und muss raus. Nein, aber ich beschloss, zukünftig noch mehr darauf zu achten, Alternativen einzukaufen. So läuft das bei uns seitdem, ist eine Plastikflasche leer, wird diese durch ein alternatives, plastikfreies Produkt ersetzt. Somit findet auch bei uns ein Umdenken statt! Selbst unsere kleine Tochter geht schon durch den Supermarkt und sagt, das können wir alles nicht kaufen, ist alles Plastik. Gut, bei ihrem Lieblingsmüsli muss noch eine Ausnahmeregelung gelten… Aller Anfang ist schwer. 

Als ich in der Küche von unserem Betrieb stand, wurde mir allerdings schlecht. Ohje, wo sollen wir denn hier bloß beginnen? Mal ehrlich, für einen Betrieb wie unseren, kann ich nicht dreimal in der Woche zum Unverpackt-Laden nach Koblenz fahren oder zum nächsten Bauern Milchflaschen abzapfen – die ganze Fahrerei würde neben dem Zeitmanko auch das Co2 Konto sprengen. 

Also, systematisch vorgehen. Obst und Gemüse kommt weitestgehend in Kartons oder Körben. Lokal eingekauft in Kisten, die wieder getauscht werden bei der nächsten Lieferung. Ok, Haken dran, hier sind wir Safe. Putzmittel werden in großen Kanistern geliefert, klar, ist nicht optimal, aber erstmal besser als viele kleine Flaschen und Tübchen. 

Seife, Shampoo und Bodylotion für die Zimmer. Hier werden wir jetzt in den Wintermonaten umrüsten. Momentan kommt alles in kleinen Fläschchen oder einzeln verpackt. Dieser Müll stört mich schon länger, aber jetzt werden diese Einzelteile durch wandmontierte und wieder befüllbare Seifenspender ausgetauscht. 

Kleine Zuckertüten oder Portionsmilch haben wir zum Großteil aus dem Betrieb entfernt. Die ganzen Tütchen und Döschen sind mit jedem Windstoß im hohen Bogen von unserer Terrasse geflogen und oft bei den Ziegen gelandet. Hier hatten wir unseren eigenen Kreislauf! =) Der ganze zusätzliche Müll haben wir beseitigt – momentan findet man „nur“ in den Zimmern und in den Tinys die Portionsmilch und Portionskaffee – vielleicht findet sich hier auch eine zeitnahe adäquate Lösung.  

Natürlich gibt es noch weitaus mehr Möglichkeiten um Plastik aus unserem Umfeld zu verbannen. Es komplett zu ersetzen für einen Betrieb wird fast unmöglich sein, solange bei den Konzernen kein Umdenken stattfindet. Auch der hygienische Aspekt wird erstmal so bleiben wie er ist. Denn noch müssen Einweghandschuhe benutzt werden in der Gastronomie-Küche oder auch die Putzhandschuhe beim Bäder putzen will ich unseren Reinigungskräften nicht nehmen. Das Lego werden wir auch nicht aus den Kinderzimmern verbannen oder kein Geld von einer Plastikkarte annehmen. Der Plastik-Rauchmelder kann Leben retten und ist seit geraumer Zeit Vorschrift. Aber ich denke, darum geht es ja auch nicht, es richtig einzusetzen macht mehr Sinn, als sinnloses Kaufen und unnötiges verschwenden. 

Aber jeder einzelne kann dennoch für sich versuchen, seine Welt ein bisschen lebenswerter und plastikfreier zu gestalten. Im Alltag kann jeder im Kleinen auf verschiedene Alternativen zurückgreifen. Beim Einkaufen kann man zum Beispiel mit der guten Jutetasche losziehen, die im Übrigen nicht mehr so verstaubt sind, wie anno dazumal! Ein Obstnetz ist eine gute Alternative zur Plastiktüte. Eine elektrische Zahnbürste mit austauschbaren Borsten verursacht weniger Plastikmüll als immer die ganze Zahnbürste wegzuwerfen. Seifenspender nachfüllen reduziert die Plastikverschwendung, noch besser ist allerdings eine Stückseife. Joghurt gibt es auch im Glas, das man für andere Dinge wieder benutzen kann. Auch Getränke sind besser in Mehrweg-Gläsern oder Flaschen zu kaufen als in ihren günstigen Plastikgeschwistern.
Für meine morgendliche Dusche habe ich jetzt einen Duschschwamm und eine Haarseife gekauft. Aber bei der Kosmetik achte ich schon sehr lange darauf, was ich mir da ins Gesicht schmiere und vor allem, was meine Kinder sich auf die Haut reiben. Die Naturkosmetik hat in den letzten Jahren immer mehr Regale in den Drogeriemärkten gewonnen. Leider kommen die wenigsten Naturkosmetik-Artikel in Glastiegeln daher. Vor einigen Jahren habe ich angefangen, meine eigenen Cremes herzustellen – in Einmachgläsern oder in Braunglas aus der Apotheke. Hier verrate ich Euch eins meiner Rezepte aus dem Internet:

Herstellung der Spitzwegerich-Salbe

Die Salbe wird in zwei Arbeitsschritten hergestellt. Zunächst bereitet man einen Ölauszug zu, woraus dann die Salbe gerührt wird. Für den Ölauszug benötigst du folgendes:

  • frische Spitzwegerichblätter, die nicht mehr feucht von Tau oder Regen sein sollten
  • Olivenöl
  • optional Kokosöl – ein sehr gutes Hautpflegemittel mit vielen heilenden Eigenschaften
  • 1 desinfiziertes Schraubglas mit Deckel

So gehst du vor:

  1. Spitzwegerichblätter kleinschneiden und in das Schraubglas geben.
  2. Mit Olivenöl auffüllen, so dass alle Blätter bedeckt sind.
  3. Optional Kokosöl, etwa 20% der Menge des Olivenöls, dazurühren. Sollte sich das Kokosöl zunächst nicht auflösen, stelle das Glas einfach für ein paar Stunden an einen warmen Ort.
  4. Glas verschließen und unter täglichem Schütteln für zwei Wochen bei Zimmertemperatur ziehen lassen.
  5. Das Öl durch ein Sieb gießen, wiegen und in einen kleinen Topf geben.

Zur Herstellung der Salbe benötigst du noch etwas Bienenwachs. Pro 100 ml Öl kannst du mit zwölf Gramm Bienenwachs rechnen, für eine etwas weichere Variante nimmst du zwei Gramm weniger, für eine etwas festere zwei Gramm mehr. Das Rühren der Salbe ist ganz einfach:

  1. Bienenwachs zu dem Ölauszug in den Topf geben.
  2. In einem Wasserbad erhitzen, bis das Wachs schmilzt.
  3. Mit einem Holzlöffel oder -stäbchen verrühren.
  4. Um die Konsistenz der Salbe zu testen, kannst du eine Probe entnehmen und auf einem Teller erkalten lassen.
  5. Sollte die Salbe zu fest sein, gib noch etwas Öl hinzu, wenn sie zu weich ist noch etwas Bienenwachs.
  6. Sobald du mit der Konsistenz der Salbe zufrieden bist, ist sie fertig und kann in kleine desinfizierte Gläser oder Salbentiegel abgefüllt werden.
  7. Beschriften und kühl aufbewahren, so ist die Salbe mehrere Monate haltbar.

Bei Insektenstichen wird die Salbe möglichst zeitnah aufgetragen. Das Einreiben kann je nach Bedarf mehrmals am Tag wiederholt werden. Die Salbe ist darüber hinaus bei Hautekzemen hilfreich, die durch eine äußere Ursache entstanden sind. Sie entstehen unter anderem durch Windeldermatitis und allergische Reaktionen.

(Quelle: https://www.kostbarenatur.net/rezepte/spitzwegerich-salbe-damit-insektenstiche-nicht-mehr-jucken/)

Wo ein Wille ist, ist meist auch ein plastikfreier Weg. Wenn man sich einige Zeit mit dem Thema auseinandergesetzt hat und das ein oder andere durch gute Alternativen ersetzt hat, läuft es oft von ganz allein und automatisch wird der Haushalt „plastikfreier“.
In Zeiten von do it yourself oder sharing Apps sollte es uns auch am Herzen liegen unsere Erde für die nachfolgenden Generationen zu schützen.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt“
Gandhi 

In diesem Sinne, auf in ein fantastisches, plastikfreies Leben!
PS: Wir entwickeln uns stets weiter und arbeiten dran auch für unseren Betrieb alternative Lösungen zu finden, daher sind wir für alle Informationen rund um das Thema dankbar – hinterlasst einen Kommentar!