Äpfel, wohin das Auge nur sieht!

Menschen, die mich kennen, wissen, ich kann schlecht an Bäumen vorbeigehen, ohne die reifen Früchte zu ernten oder an Kräuter, die in ihrer höchsten Heilkraft stehen, ohne sie zu pflücken und weiterzuverarbeiten. Es fällt mir schwer. Ich bin keine Sammlerin und doch sehe ich gerade überall nur voll hängende Apfelbäume und kaum jemand, der sich die Mühe macht, Äpfel zu sammeln oder gar weiterverarbeitet. 

Jetzt haben wir auf der Pferdewiese sage und schreibe acht voll hängende Apfelbäume. Und mit voll meine ich eigentlich übervoll. Ich war schon viermal, davon zweimal mit unserer kleinen Müllerin Äpfel sammeln und habe jedes Mal vier volle Taschen nach Hause getragen. Doch die Bäume hängen noch immer voll. Es sieht so aus, als hätte noch niemand etwas aufgesammelt. Wahrscheinlich ist das bei all’ den Bäumen, an denen ich so vorbeikomme, genauso. Es hat schon jemand tonnenweise Äpfel aufgesammelt, aber der Baum hängt nach wie vor voll. Die kleine Müllerin fragt, während dem wir die Äpfel aufsammeln: „Mama, bist Du jetzt eigentlich mal fertig?“ „Ida, die Mama ist erst dann fertig, wenn kein Apfel mehr am Baum hängt.“ „Da musst Du Dich aber noch viel bücken!“ Ja, so ist das, wenn man Äpfel sammelt. Es kostet Zeit, Nerven, teilweise schauen Dich Würmer an oder Ameisen, der Apfel ist angebissen, schmutzig oder kalt vom Morgentau, teilweise sind sie auch schon am Schimmeln. Daher ist es natürlich einfacher, den Einkaufswagen durch den Supermarkt zu schieben und ein Säckchen mit sauberen Äpfeln hineinzulegen. Doch so einfach kommen mir meine Kinder nicht davon! Äpfel liegen nicht makellos und gleich in Säckchen verpackt unterm Apfelbaum! Da wird sich schmutzig gemacht, gerafft, was geht und mitgenommen, was wir tragen können! Zuhause angekommen können die Kinder helfen, die Äpfel weiterzuverarbeiten oder auch nicht, es ist ja doch eine große Menge. 

Soviel Apfelmus oder Apfelsaft können auch wir in der Gastronomie nicht verarbeiten

Es ist echt schade, aber die Rehe und Würmer freuen sich ja auch über ein paar Äpfel. Ich dachte, diesmal machen wir mal Apfelsaft aus den Äpfeln. Auf der Getränkekarte macht sich eigener Apfelsaft bestimmt gut: „Mühlen-Apfelsaft – aus unseren eigenen Äpfeln“. Klingt gut, oder? Doch ich muss Euch sagen, die Arbeit ist für die Katz`! 

Ich habe 7 kg Äpfel gewaschen, geviertelt und das Kerngehäuse herausgeschnitten, ohne Entsafter aufgekocht, eingestampft, durch gefiltert. Der gefilterte Saft wieder erneut aufgekocht und heiß abgefüllt. Wisst ihr, wie viel Saft ich bekommen habe? Ganze drei Liter! Ernsthaft … das ist keine höhere Mathematik, das ist pure Realität. Ich bin dann ab jetzt für Apfelmus – da hat man länger was davon und irgendwie habe ich dabei das Gefühl auch nicht so „veräppelt“ zu werden, ich habe einfach mehr für meine Arbeit! 

Wie gut, dass wir noch gefühlt über 20 kg Äpfel im Keller haben und die restlichen Apfelbäume auch noch richtig voll hängen. Leute, ich kann Euch sagen, wenn ich wollen würde, hätte ich noch vier weitere Bäume auf dem Campingplatz, die abgeäppelt gehören! 

Vor ein paar Jahren gab’s noch den Kaiserschmarren auf der Speisenkarte mit unserem Apfelmus. Hierfür haben wir die Äpfel auf dem Campingplatz gesammelt und zu Apfelmus verarbeitet. In dem einen Jahr hatten wir 80 Liter Apfelmus eingeweckt im Keller stehen! Unglaublich, aber wahr. Wenn ich einmal anfange zu sammeln, gibt es wahrlich kein Aufhören, bis ich nicht den letzten Apfel geerntet habe! Ich neige dazu, zu übertreiben! Wir waren mit vier Leuten beschäftigt, die Äpfel zu schälen, zu vierteln und das Kerngehäuse zu entfernen. Es waren drei Schubkarren, voll mit Äpfeln. Ob ihr es glaubt oder nicht, das Apfelmus hat genau ein Jahr gehalten, dann war es ratzeputz leer! 

Natürlich sind die Äpfel super zum Backen

Sie sind säuerlich, manche davon süß, die Sorte weiß ich nicht und teilweise gibt es auch sehr dicke Äpfel oder ganz kleine Äpfel. Wir haben schon Apfelkuchen und Muffins in verschiedenen Variationen gemacht. Die kommen bei den Müllerinnen besonders gut an! 

Äpfel sind obendrein noch wahre Kompositions-Genies! Äpfel passen mit sehr vielen Gewürzen, Milchprodukten oder auch mit anderen Obst- und Gemüsesorten zusammen. Wie zum Beispiel: Apfel und Zimt ist ein unschlagbares Duett – egal ob im Müsli, Porridge, Joghurt, Quark oder als Kuchen und Muffins. Apfel mit Vanille oder Tonkabohne gehen auch immer! Apfelküchlein dazu Vanillesauce oder der legendäre österreichische Apfelstrudel mit Vanillesauce oder Vanilleeis. Äpfel und alle Arten von Nüsse passen hervorragend zusammen – oft als Süßspeise wie Apfel-Nusskuchen, gefüllt als Bratapfel oder als Nussmüsli mit Äpfeln. Im Obstsalat passt er mit seiner Säure hervorragend zu den anderen Obstsorten wie Orange, Heidelbeeren, Bananen, Aprikosen, Orangen. Für kleine Kinder mit Darmproblemen hilft oft ein geriebener Apfel mit einer Banane vermischt, fällt mir gerade dazu am Rande ein. Ich liebe Apfel-Hagebutten-Gelee oder Apfel mit Thymian oder Rosmarin als Gelee verarbeitet. Das ist eine interessante Mischung! Salbei geht wunderbar mit Apfel, auch als Tee. Wie wäre es mit einem Apfel-Rote-Beete Smoothie? Oder einer Apfel-Ingwer-Schorle? Natürlich geht es auch herzhaft! Matjes zum Beispiel, das schmeckt super lecker, wenn in der Sahnesauce neben den Zwiebeln auch kleine Apfelstücke verarbeitet sind. Auf den Weihnachtsmärkten wird es sie wiedergeben: Reibekuchen oder wie wir sagen: Gribbelcha mit … natürlich Apfelmus! Christian hat im Sommer so einen leckeren Apfel-Fenchel Salat gemacht, unglaublich frisch und leicht, ideal für den Sommer. In einen guten Rotkohl gehört ein Apfel rein, egal ob gerieben oder als Apfelmus. Die dazugehörige Gans an Weihnachten kann man auch mit Apfel und Maronen befüllen. Und was wäre der legendäre Himmel un’ Erd Gericht ohne sein Apfelmus? Oder wir Rheinländer essen im November zum Sankt Martin unseren Döppekoche, das wäre ebenfalls undenkbar ohne Apfelmus. 

Es gibt traditionelle Gerichte, da gehört der Apfel einfach dazu

So könnte ich wahrscheinlich noch Seiten füllen! Es gibt traditionelle Gerichte, da gehört der Apfel einfach dazu. Und wisst ihr was? Ich freue mich jetzt auf November, wenn es wieder Döppekoche gibt und dann natürlich mit unserem Apfelmus von den gesammelten Äpfeln. Es werden wahrscheinlich keine 80 kg werden, denn auch ich muss lernen, ich kann nicht alles verarbeiten so gerne wie ich das auch wollen würde. Aber durch meinen eigenen Blog bin ich jetzt selbst für andere Gerichte inspiriert und werde auf jeden Fall einen Teil noch zu Gelee verarbeiten. Da es jetzt in die kalte Jahreszeit übergeht, die Tage kürzer werden und die Abende länger, freuen sich die Mädels bestimmt über ein paar Apfelchips mit eigenem Apfelsaft. Wir Erwachsene tendieren dann eher zum Apfel-Glühwein, aber was soll’s – an den Äpfeln soll es ja nicht liegen, es sind ja genügend da! 

Was macht ihr denn mit den Äpfeln? Schreibt mir doch mal Euer Lieblingsgericht mit Apfel in die Kommentare – es interessiert mich! Sammelt ihr schon oder kauft ihr noch? =)

PS: Ich habe auch noch einen anderen Apfel-Blog geschrieben vor ein paar Jahren, dort findet ihr auch zwei Rezepte zum Nachmachen!

In diesem Sinne, einen schönen äppeligen Herbst!