Da sind wir also jetzt. Zurück auf Anfang und doch gefühlt keinen Schritt weiter. Nur eins ist momentan anders als im vergangenen Jahr: Wir sind noch geöffnet. 

Im letzten Jahr befanden wir uns schon unlängst im Lockdown light. Ein jeder hat getan was er tun musste, ein jeder hatte Rücksicht gezeigt, Solidarität war im zweiten Lockdown schon nicht mehr so groß wie im ersten. Wie mag dann die Solidarität im dritten Lockdown aussehen? 

Wir haben im letzten Jahr Anzahlungen zurück überwiesen, Buchungen verschoben oder Weihnachtsfeiern storniert und sogar Silvester alleine verbracht. Nach zwei Jahren mit Hygienekonzepten wie 3-G-Regeln oder 2-G-Regeln, Inzidenzwerten und Warnstufen sind wir gefühlt nach wie vor am Anfang. 

Alle hofften im vergangenen Jahr das die Impfung dem Covid-19 Einheit gebietet, ab Mittwoch hoffen alle, dass die bundesweite 2-G-Regel den langersehnten Kampf eindämmt.

Wer weiß schon, wo wir nächstes Jahr stehen? 

Bis dahin dürfen wir erstmal wieder Buchungen ins ungewisse verschieben, Feierlichkeiten stornieren, verunsicherte Gäste beruhigen und um Umsätze trauern die ausbleiben aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung. Seit zwei Jahren ist es eine Berg- und Talfahrt die wir in unserer Branche erleben und ich ziehe meinen Hut vor allen, die wacker und munter weitermachen. Es gehört neben Mut und Zuversicht auch eine verdammt große Portion Liebe für die Hotellerie und Gastronomie um dieses Auf und Ab über die Jahre mitzutragen. 

Aber wie war es denn eigentlich früher?

Ich erinnere mich an meine Kindheit, lange Zeit vor den Handys, Smartphones und Tablets. Im Sommer hatten meine Eltern jede Menge zu tun und arbeiteten gefühlt rund um die Uhr. Ab dem 02. November wurde es dann plötzlich ganz still. Niemand, aber auch wirklich niemand blieb auch nur eine Nacht darüber hinaus länger. Es war sehr ruhig hier im Tal, dennoch muss ich sagen, habe ich diese Ruhe und Stille schon als Kind sehr gemocht. Vor allem – alle hatten plötzlich Zeit für mich. 

Wir waren spazieren – gut, als Kind vielleicht nicht ganz so geil, aber ein anderes Mal waren wir shoppen oder haben etwas Anderes unternommen. Oft waren wir bei verschiedenen Kollegen zum Mittagessen – hauptsache zusammen und mal nicht arbeiten.

Es war eine sehr ruhige und besinnliche Zeit

… gerade die Woche zwischen den Jahren. Wenn die Oma Luzia von ihrem Früher erzählte, so wurde von Frühjahr bis Herbst gearbeitet und dann haben sie sich zurückgezogen. Im Winter wurde einfach geruht ob mit oder ohne Corona. Meine Oma hat im Winter eingeweckt, gestrickt, geknüpft oder an ihrem Spinnrad gesponnen. Die Tage waren kürzer und die Nächte wurden länger. Es war ein Leben mit den Jahreszeiten. 

Heute ist der Winterschlaf teuer, nicht nur finanziell

Doch der Unterschied zwischen heute und früher liegt darin, dass der heutige Winterschlaf eindeutig teurer ist. Die Nebenkosten sind mittlerweile so hoch wie noch nie zuvor. In unserer alten Mühle wurden früher lediglich zwei Etagen bewohnt und der Ofen angestochert. Heute sind vier Etagen in Beschlag und überall läuft Strom, Wasser oder die Heizung. Manch böse Zungen behaupten glatt, ein weiterer Lockdown ist nicht weiter schlimm. Oh doch! Abgesehen von der finanziellen Belastung ist es für die Psyche ein absoluter Totalschaden. Wir übernehmen die Kosten für alles was entsteht. Wir tragen die Verantwortung für unser Personal, unsere Familie. Wir wollen das die Mühle noch weitere Generationen erhalten bleibt – dafür schlägt unser Herz. Das schlimmste daran ist die Machtlosigkeit der wir ausgesetzt sind. Wir sind nicht verantwortlich für das was im Außen passiert und dennoch müssen wir alle aus der Branche schließen oder Vollgas geben! Das wiederum ist der einzige Vorteil – wir sind nicht allein mit den Sorgen und Nöten. 

Doch noch etwas ist anders im Gegensatz zu früher, früher saßen alle gemeinsam zusammen und haben den Winter genossen – mehrere Generationen, Freunde und Bekannte – alle waren zusammen, heute sind wir alle allein zu Hause, zum Schutz der Älteren. 

Jeder weitere Scherbenhaufen ist nur mit sehr viel Optimismus zu überstehen

Es bleibt also spannend wohin die Reise im Takatuka-Coronaland geht. Wir machen das Beste daraus, versuchen die Regeln und Bestimmungen zu verstehen und zu beherzigen. Wir gehen zur Not auch in die Stille so wie unsere Vorfahren es hier einst getan haben.

Zeit für uns, für die Mühlenkinder, für den Zoo. Zeit für Umbuchungen, Stornierungen oder Gästefragen. Was auch passiert, wir versuchen das Beste daraus zu machen. Jede Situation ist für irgendetwas gut, das sehen wir vielleicht jetzt aktuell nicht, aber in ein paar Jahren werden wir alle gemeinsam zusammen ohne Maske darüber lachen bei einem guten Glas Mosel Riesling. Wir werden uns umarmen und feiern, eng beieinander stehen und werden zur Musik tanzen. Gemeinsam statt einsam! Wer weiß, vielleicht wissen die heutigen Babys in zwanzig Jahren nicht einmal mehr was eine Inzidenz ist oder sie glauben, Covid-19 ist ein cooler Rapper des 21 Jahrhunderts statt eines Virus. Die Pandemie wird sich sicher in die Geschichtsbücher neben die Pest und Cholera-Seuchen einreihen. Vielleicht sind die Ungeimpften in fünf Jahren auch in eine eigene Siedlung gezogen und die Geimpften leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Wer weiß das schon?! Eins weiß ich sicher, es bleibt spannend denn das nennt man Leben! Dabei hatten wir auch andere Pläne! 

Wie früher – so heute.